Städ­ti­sche Kanalsanierungsstrategie

Im abwas­ser­tech­ni­schen Pla­nungs­pro­zess erhält die Durch­füh­rung von Wirt­schaft­lich­keits­be­trach­tun­gen immer häu­fi­ger Ein­zug. Inves­ti­tio­nen in die was­ser­wirt­schaft­li­che Infra­struk­tur haben eine erheb­li­che finan­zi­el­le Bedeu­tung für die Auf­ga­ben­trä­ger, vor­han­de­ne Res­sour­cen sind gera­de in Zei­ten immer knap­per wer­den­der Mit­tel so effi­zi­ent wie mög­lich ein­zu­set­zen. Vari­an­ten­be­wer­tun­gen kön­nen ohne Berück­sich­ti­gung der ent­ste­hen­den Kos­ten sel­ten getrof­fen wer­den, wodurch Wirt­schaft­lich­keits­be­rech­nun­gen die Ent­schei­dungs­qua­li­tät maß­geb­lich erhöhen.

Bei der von LINDSCHULTE bear­bei­te­ten Kanal­sa­nie­rungs­stra­te­gie für ein städ­ti­sches Kanal­netz von rd. 430 Kilo­me­tern Län­ge wur­den die bei­den Vari­an­ten „Wirt­schaft­lich­keits­stra­te­gie“ und „Repa­ra­tur­stra­te­gie“ unter Berück­sich­ti­gung der Kos­ten­ent­wick­lung ver­gli­chen. Die Wirt­schaft­lich­keits­stra­te­gie sieht vor, inner­halb von 10 Jah­ren alle Schä­den der Zustands­klas­sen 0 und 1 nach DWA durch geeig­ne­te Ver­fah­ren der Reno­vie­rung (z.B. Schlauch­li­ner) oder in offe­ner Bau­wei­se (Kom­plet­ter­neue­rung oder Klein­bau­gru­be) zu sanie­ren. Ziel ist dabei die Erhö­hung des Sub­stanz­wer­tes des Abwas­ser­sys­tems mit merk­li­cher Erhö­hung der Nutzungsdauer.

Stich­punk­te zur Referenz:

  • Städ­ti­sche Kanalsanierungsstrategie
  • städ­ti­sches Kanal­netz von 430 km Länge
  • Wirt­schaft­lich­keits­stra­te­gie
  • Repa­ra­tur­stra­te­gie

Sanie­rung des Abwassernetzes

Die Repa­ra­tur­stra­te­gie hin­ge­gen zielt auf eine Sanie­rung des Abwas­ser­net­zes mit den Zustands­klas­sen 0 und 1 nach DWA durch Repa­ra­tur­sa­nie­rungs­ver­fah­ren mit mög­lichst gerin­gen Inves­ti­ti­ons­kos­ten ab, wobei Schä­den der Zustands­klas­sen 2 und 3 ver­nach­läs­sigt wer­den. Ziel ist die Erhal­tung des bestehen­den Sub­stanz­wer­tes des Abwas­ser­sys­tems mit gerin­ger Erhö­hung der Nut­zungs­dau­er von maxi­mal 10 Jahren.

Nach der Kos­ten­ver­gleichs­rech­nung ergibt sich für Vari­an­te 1 für die Stra­te­gie 1 ein gerin­ge­rer Pro­jekt­kos­ten­bar­wert, womit sich kapi­ta­li­sier­te Kos­ten­er­spar­nis­se zuguns­ten der Stra­te­gie 1 ergeben.

Die Kos­ten­rei­he zeigt eine Erst­in­ves­ti­ti­on zum Zeit­punkt 2010 und wei­te­re Inves­ti­ti­ons­kos­ten der Vari­an­te jeweils auf 10 Jah­re auf­ge­teilt. Hier­bei wird eine line­ar ver­lau­fen­de Zustands­ver­schlech­te­rung des Kanal­net­zes ange­nom­men, die Re-Inves­ti­ti­ons­kos­ten stei­gen eben­falls line­ar. Lau­fen­de Jah­res­kos­ten für z.B. einen erhöh­ten Rei­ni­gungs­auf­wand wur­den berück­sich­tigt und haben einen kon­stan­ten Verlauf.

Wirt­schaft­lich­keits­be­rech­nun­gen für Planungen

In der Fach­ab­tei­lung Was­ser­wirt­schaft von LINDSCHULTE wer­den soge­nann­te dyna­mi­sche Kos­ten­ver­gleichs­rech­nun­gen (KVR) unter ande­rem durch­ge­führt, um bei maro­den Abwas­ser­net­zen eine Ent­schei­dungs­hil­fe zur Abwä­gung einer Kanal­sa­nie­rung z.B. in geschlos­se­ner Bau­wei­se mit­tels Reno­vie­rung oder Repa­ra­tur gegen­über einer Kanal­sa­nie­rung mit­tels Erneue­rung zu erhal­ten. Aber auch im Rah­men hydrau­li­scher Nut­zungs­kon­zep­te z.B. für eine alte Klär­an­la­ge oder im Rah­men einer Kanal­sa­nie­rungs­stra­te­gie hat LINDSCHULTE die Vor­zugs­va­ri­an­te unter Berück­sich­ti­gung des dyna­mi­schen Kos­ten­ver­gleichs ermittelt.

Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen in der Abwasserwirtschaft

Kos­ten­ver­gleichs­rech­nun­gen kom­men immer dann zum Ein­satz, wenn aus einer Anzahl vor­ge­ge­be­ner Alter­na­ti­ven zur Errei­chung einer bestimm­ten Leis­tung die kos­ten­güns­tigs­te Lösung ermit­telt wer­den soll. Neben den Inves­ti­ti­ons­kos­ten wer­den dabei auch die Betriebs­kos­ten sowie die unter­schied­li­chen Nut­zungs­dau­ern der ein­zel­nen Lösun­gen und rea­le Preis­stei­ge­run­gen berück­sich­tigt. Als Grund­la­ge dient die DWA-Arbeits­hil­fe „Leit­li­ni­en zur Durch­füh­rung dyna­mi­scher Kos­ten­ver­gleichs­rech­nun­gen (KVR-Leit­li­ni­en)“.

Als Ergeb­nis der KVR wird die Kos­ten­bar­wert­ent­wick­lung ein­zel­ner Vari­an­ten ver­gli­chen. Der Pro­jekt­kos­ten­bar­wert ist dabei die Sum­me an Geld, die zum Zeit­punkt der Erst­in­ves­ti­ti­on auf­ge­nom­men wer­den muss, um unter Berück­sich­ti­gung des gewähl­ten Zins­sat­zes die Erst­in­ves­ti­ti­on und die spä­te­ren Reinves­ti­tio­nen täti­gen zu können.