Wehr­an­la­ge „War“ muss öko­lo­gi­sche­rem Bau­werk wei­chen

Mehr als 80 Jah­re hat­te das Din­kel­wehr „War“ in Lage auf dem sprich­wört­li­chen Buckel, als hier im Mai 2019 umfang­rei­che Sanie­rungs­ar­bei­ten began­nen. Die bau­fäl­li­ge Wehr­an­la­ge in der Graf­schaft Bent­heim wur­de durch eine Sohl­glei­te ersetzt, die den Höhen­un­ter­schied zwi­schen Ober- und Unter­was­ser auf einer län­ge­ren Stre­cke aus­gleicht. Nun kön­nen Fische und ande­re im Was­ser leben­de Tie­re wie­der auf- und abwan­dern.

Die­se „öko­lo­gi­sche Durch­gän­gig­keit“ ermög­licht die mehr­stu­fi­ge Sohl­glei­te mit 20 Quer­rie­geln, die das Fluss­bett in eine Art lang gezo­ge­ne Trep­pe bezie­hungs­wei­se „Becken­kas­ka­de“ ver­wan­deln. Die Ruhe­zo­nen in den Becken ermög­li­chen auch schwimm­schwa­chen Fischen den Gewäs­ser­auf­stieg und sind gleich­zei­tig eine Brut­stät­te für den Nach­wuchs. Außer­dem sorgt die tur­bu­len­te Strö­mung dafür, dass das Was­ser mehr Sauer­stoff auf­nimmt als bis­her. Dies ist eben­falls von Vor­teil für das Öko­sys­tem und die (Kleinst-)Lebewesen in der Din­kel.

Schutz vor Hoch- und Nied­rig­was­ser

Da die Sohl­glei­te aber anders als das Wehr nicht regu­lier­bar ist, sind neue Maß­nah­men zum Hoch­was­ser­schutz nötig. Aus die­sem Grund sind rechts und links des Gewäs­sers brei­te Flut­mul­den ein­ge­rich­tet. Bei Hoch­was­ser kön­nen die Was­ser­mas­sen auf das Vor­land der Din­kel aus­wei­chen. In Tro­cken­zei­ten muss wie­der­um eine gewis­se Min­dest­fließ­tie­fe ein­ge­hal­ten wer­den, was in Anbe­tracht des gerin­gen Was­ser­dar­ge­bots bei Nied­rig­was­ser zu einer ech­ten Her­aus­for­de­rung für die LIND­SCHUL­TE-Pla­ner wur­de. Pro­jekt­lei­ter Klaus Koll berich­tet: „Wir hat­ten bei unse­ren Berech­nun­gen prak­tisch kei­nen Spiel­raum; es war ech­te Maß­ar­beit erfor­der­lich. Aber wir konn­ten auf unse­re Erfah­run­gen in der Was­ser­wirt­schaft zurück­grei­fen.“

Das Pro­jekt wur­de umfas­send mit EU- und Lan­des­mit­teln geför­dert. Der Land­kreis Graf­schaft Bent­heim erwarb sogar angren­zen­de Grund­stü­cke, die bis­lang Pri­vat­be­sit­zern gehör­ten. Denn sowohl für den Land­kreis als auch für den zustän­di­gen Lan­des­be­trieb für Was­ser­wirt­schaft, Küs­ten- und Natur­schutz (NLWKN) und die Nach­barn aus den Nie­der­lan­den hat­te die Besei­ti­gung der stö­ren­den Wehr­an­la­ge hohe Prio­ri­tät.

Inten­si­ver Dia­log

Bis die Bag­ger anroll­ten, muss­ten so eini­ge Dis­kus­sio­nen geführt und Kom­pro­mis­se getrof­fen wer­den. Es galt zum einen, die Anfor­de­run­gen an den Natur- und Arten­schutz zu erfül­len, zum ande­ren muss­ten die Inter­es­sen der angren­zen­den Land­wirt­schaft gewahrt wer­den. Die his­to­ri­sche Was­ser­müh­le in Lage an der Alten Din­kel benö­tigt ihrer­seits ein gewis­ses Was­ser­dar­ge­bot, das bei den LIND­SCHUL­TE-Pla­nun­gen mit­ein­be­rech­net wer­den muss­te.

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Klaus Koll erzählt: „Ins­ge­samt waren sich jedoch alle Betei­lig­ten über die Wich­tig­keit die­ses Pro­jekts einig. Ent­spre­chend ange­nehm und kon­struk­tiv gestal­te­te sich die Zusam­men­ar­beit mit den Behör­den und Anlie­gern. Das gan­ze Vor­ha­ben basier­te auf offe­ner Kom­mu­ni­ka­ti­on und gehört so trotz der unter­schied­li­chen Inter­es­sen zu den ‚har­mo­nischs­ten‘ Pro­jek­ten mei­ner Kar­rie­re“.

Brü­cken­neu­bau in Arbeit

Mitt­ler­wei­le ist der ers­te Bau­ab­schnitt abge­schlos­sen, der Pro­jekt­lei­ter spricht von „Halb­zeit“. Die Sohl­glei­te und die Flut­mul­den sind im Ein­satz, es fehlt aller­dings noch ein Brü­cken­neu­bau. Auch wenn die Über­que­rung prin­zi­pi­ell noch in Takt ist, muss sie wegen der Brei­te der Mul­den nun auf die dop­pel­te Län­ge aus­ge­baut wer­den. Doch schon jetzt freut sich die Tier­welt über die frei­en Wege in der Din­kel – das ers­te Ziel wur­de erreicht.