Sanie­rung des Rat­haus­vier­tels in Wilhelmshaven

Stau­raum­ka­nal zur Ent­las­tung bei Starkregen

Die Tech­ni­schen Betrie­be Wil­helms­ha­ven beab­sich­ti­gen die Sanie­rung des Rat­haus­vier­tels. Der von LINDSCHULTE erar­bei­te­te Gene­ral­entwäs­se­rungs­plan sieht zur Ent­las­tung des Misch­was­ser­sys­tems im Bereich der Mit­scher­lich­stra­ße einen Stau­raum­ka­nal vor. Auf­grund der rela­tiv gerin­gen Tro­cken­wet­ter­ab­flüs­se und dem gerin­gen Sohl­ge­fäl­le wur­de der Stau­raum­ka­nal als Dra­chen­pro­fil DN 1500 hergestellt.

Gene­ral­entwäs­se­rungs­plan

Die sanie­rungs­be­dürf­ti­ge Mit­scher­lich­stra­ße ist der ers­te Teil­ab­schnitt der Sanie­rung des Rat­haus­vier­tels. Bei der Pla­nung der Ver­kehrs­flä­chen waren zahl­rei­che Zwangs- und Kreu­zungs­punk­te im inner­stä­ti­schen Bereich zu berück­sich­ti­gen. Die zukunfts­ori­en­tier­te, drei­di­men­sio­na­le Kanal­pla­nung umfass­te umfang­rei­che Ana­ly­sen der Mate­ri­al­wahl sowie ste­ti­ge Abstim­mun­gen mit Trä­gern öffent­li­cher Belan­ge, um selbst unter engs­ten Bedin­gun­gen die Kol­li­si­ons­frei­heit sicher­stel­len zu können.

Sanie­rung der Mischwasserkanalisation

Leicht zu ver­le­gen, wirt­schaft­lich ein­setz­bar und größt­mög­li­che Sta­bi­li­tät bei ver­gleichs­wei­se gerin­ger Wand­stär­ke – das waren die Para­me­ter, die bei der Aus­wahl des am bes­ten geeig­ne­ten Werk­stof­fes für die Sanie­rung der Misch­was­ser­ka­na­li­sa­ti­on in der Mit­scher­lich­stra­ße in Wil­helms­ha­ven den Aus­schlag gaben. Ent­spre­chend den Pla­nungs­vor­ga­ben von LINDSCHULTE kam eine Aus­füh­rung mit pro­fi­lier­ter Soh­le im Dra­chen­pro­fil in der Nenn­wei­te DN 1500 zum Ein­satz. Die 3 m lan­gen Roh­re ver­fü­gen über eine Nenn­stei­fig­keit von SN 10.000 und wur­den im Werk mit einer Num­me­rie­rung ver­se­hen, die der STRABAG AG, Direk­ti­on Nord­west, Bereich Weser-Ems, Grup­pe Wil­helms­ha­ven, die Ver­le­gung und die Berück­sich­ti­gung ver­schie­dens­ter Anschluss­si­tua­tio­nen erleichterte.

Stich­punk­te zur Referenz:

  • Gene­ral­entwäs­se­rungs­plan zur Ent­las­tung des Mischwassersystems
  • Zukunfts­ori­en­tier­te, drei­di­men­sio­na­le Kanalplanung
  • Zur Ver­bes­se­rung des Trockenwetterabflusses

Haus­an­schluss­lei­tun­gen und Schachtbauwerke

Im April 2017 began­nen die Sanie­rungs­ar­bei­ten zwi­schen der Bre­mer Stra­ße und der Bis­marck­stra­ße. Auf einer Gesamt­län­ge von etwa 320 Meter wur­den der Misch­was­ser­ka­nal und die Haus­an­schluss­lei­tun­gen erneu­ert, zudem fünf gro­ße Schacht­bau­wer­ke in die­sem Bereich neu gesetzt. Im ers­ten Bau­ab­schnitt wur­den auf einem rund 160 m lan­gen Teil­stück zwi­schen Bre­mer Stra­ße und Rüstrin­ger Stra­ße die ers­ten Flow­ti­te GFK-Roh­re ver­legt. Die Erwei­te­rung des Kanal­quer­schnit­tes von DN 700 auf eine Nenn­wei­te von DN 1500 trägt laut Dipl.-Ing. Sven Hör­mann, LINDSCHULTE Inge­nieur­ge­sell­schaft mbH, Nord­horn, zu einer hydrau­li­schen Ver­bes­se­rung im Rat­haus­vier­tel bei. Hier han­delt es sich um einen der neur­al­gi­schen Punk­te in der ca. 520 km lan­gen Wil­helms­ha­ve­ner Kana­li­sa­ti­on, die durch ein Trenn­sys­tem in den nörd­li­chen Stadtei­len und einer his­to­risch gewach­se­nen Misch­was­ser­ka­na­li­sa­ti­on in den süd­li­chen Stadt­tei­len gekenn­zeich­net ist. „Teil­wei­se sind die Abwas­ser­ka­nä­le mehr als 100 Jah­re alt und wei­sen einen ent­spre­chen­den Abnut­zungs­grad mit den typi­schen Scha­dens­bil­dern auf“, erklärt Hör­mann. „Hin­zu kommt, dass die Hal­tun­gen für heu­ti­ge Ver­hält­nis­se unter­di­men­sio­niert sind und des­halb Stark­re­ge­n­er­eig­nis­sen wie dem im Som­mer 2015 mit mehr als 70 Liter Nie­der­schlag pro Qua­drat­me­ter nicht gewach­sen sind.“

Hydrau­li­sche Engstellen

Hydrau­li­sche Eng­stel­len wie die­se wur­den im Rah­men des Gene­ral­entwäs­se­rungs­plan durch LINDSCHULTE ermit­telt. Ins­be­son­de­re Lei­tungs­ab­schnit­te mit rela­tiv hoher Über­stau­häu­fig­keit wie die Mit­scher­lich­stra­ße wer­den auf Basis der Bemes­sung und Berech­nung der Nie­der­schlä­ge über einen Zeit­raum von meh­re­ren Jah­ren suk­zes­si­ve saniert. Hier­bei gibt es eini­ge Rah­men­be­din­gun­gen zu berück­sich­ti­gen. Unter ande­rem das gerin­ge Gefäl­le. Da das Stadt­ge­biet kaum über natür­li­ches Gefäl­le ver­fügt, wird das Schmutz­was­ser über ein Frei­ge­fäl­le-Kanal­netz den rund 60 Pump­wer­ken im Abwas­ser­sys­tem zuge­führt und dann über Druck­rohr­lei­tun­gen zur Zen­tral­klär­an­la­ge gepumpt.

GFK-Roh­re mit Drachenprofil

Zur Ver­bes­se­rung des Tro­cken­wet­ter­ab­flus­ses wur­den die aus­ge­wähl­ten GFK-Roh­re eben­so wie die GFK-Schäch­te mit einem Dra­chen­pro­fil aus­ge­stat­tet. Die Pro­fi­lie­rung trägt dazu bei, dass Fest­stof­fe auch bei gerin­gen Abfluss­men­gen beför­dert wer­den und eine mög­li­che Geruchs­be­läs­ti­gung wei­test­ge­hend ver­mie­den wird. „Auch auf­grund der guten Fließ­ei­gen­schaf­ten und der guten Hydrau­lik ist der Werk­stoff des­halb für einen Ein­satz unter die­sen Rah­men­be­din­gun­gen beson­ders geeig­net“, erklärt Bau­lei­ter, Jan-Mar­kus Mül­ler, LINDSCHULTE Aurich. „Das leich­te Gewicht der Roh­re hat zudem bei ein­ge­schränk­ten Arbeits­räu­men Vor­tei­le, eben­so wie bei gerin­gen Lager­ka­pa­zi­tä­ten.“ Das mach­te sich auch in der Innen­stadt­la­ge in Wil­helms­ha­ven posi­tiv bemerk­bar, da der Ver­kehr – ins­be­son­de­re die Ret­tungs­diens­te – nicht behin­dert wer­den durf­ten. Auf der ande­ren Sei­te über­zeu­gen die Roh­re mit ihrer Sta­bi­li­tät. Ein Umstand, der ins­be­son­de­re in der Mit­scher­lich­stra­ße zum Tra­gen kam, da die Über­de­ckung in eini­gen Berei­chen gera­de ein­mal 63 cm beträgt. „Damit bewegt man sich in einem Bereich, der den frost­si­che­ren Stra­ßen­auf­bau tan­giert“, ver­deut­licht Mül­ler. Die GFK-Roh­re mit einer Wand­stär­ke von unter 30 mm waren des­halb beson­ders geeig­net, wäh­rend Roh­re aus ande­ren Werk­stof­fen auf­grund einer deut­lich höhe­ren Wand­stär­ke bis an die Schot­ter­trag­schicht gereicht hätten.

„Auch in ande­rer Hin­sicht galt es, auf die beson­de­ren Rah­men­be­din­gun­gen ein­zu­ge­hen“, erklärt der Bau­lei­ter der STRABAG, Dipl.-Ing. Tim Puzi­cha. Auf­grund der Situa­ti­on vor Ort muss­ten vor­han­de­ne Haus­an­schluss­lei­tun­gen teil­wei­se direkt ober­halb der Soh­le ein­ge­bun­den wer­den – eine Vor­ge­hens­wei­se, mit der ver­hin­dert wer­den konn­te, dass auf den Grund­stü­cken Hebe­an­la­gen instal­liert wer­den muss­ten. „Um eine rei­bungs­lo­se Ver­le­gung sicher­zu­stel­len, wur­den die Roh­re bei Ami­an­tit in Döbeln bereits mit den erfor­der­li­chen Anschlüs­sen für die Haus­an­schluss­lei­tun­gen aus­ge­stat­tet und auf Basis des Ver­le­ge­plans durch­num­me­riert“, so Puzi­cha. Wäh­rend der Bau­pha­se erfolg­te ein regel­mä­ßi­ger Abgleich zwi­schen tat­säch­li­chem Arbeits­fort­schritt und einem im Rah­men der Arbeits­vor­be­rei­tung ange­nom­men Bau­fort­schritt. Anhand des Ver­le­ge­plans und einer fest­ge­leg­ten Lie­fer­rei­hen­fol­ge konn­te die STRABAG in Abstim­mung mit dem Her­stel­ler fle­xi­bel auf die ört­li­chen Bedin­gun­gen reagie­ren. Eine extre­me Pass­ge­nau­ig­keit der gelie­fer­ten Pro­duk­te trug dazu bei, dass Fugen und Spal­ten auf ein Mini­mum redu­ziert wur­den und ein Abset­zen der Misch­was­ser­frach­ten wir­kungs­voll ver­hin­dert wird. In die­sem Zusam­men­hang weist Mül­ler auch auf die Fle­xi­bi­li­tät des ein­ge­setz­ten Rohr­sys­tems hin: „Falls nötig, sorg­ten Pass­stü­cke für den nöti­gen Spiel­raum an der Ein­bau­stel­le. Zudem bie­tet der Werk­stoff auch die Mög­lich­keit, vor Ort Ände­run­gen vor­zu­neh­men – zum Bei­spiel, wenn ein Anschluss doch mal an der fal­schen Stel­le liegt.

Mit Blick auf zukünf­ti­ge Kanal­sa­nie­rungs­ar­bei­ten in den ein­mün­den­den Sei­ten­stra­ßen wur­den wäh­rend der Bau­maß­nah­me bereits Vor­be­rei­tun­gen für den spä­te­ren Anschluss die­ser Hal­tun­gen ange­legt. Ende Okto­ber konn­ten die Kanal­bau­ar­bei­ten plan­mä­ßig abge­schlos­sen werden.