Kanal­sa­nie­rung Berlin

Kanal­sa­nie­rung der Ber­li­ner Städ­te­r­ei­ni­gungs­be­trie­be in offe­ner und geschlos­se­ner Bauweise

In Ber­lin hat LINDSCHULTE jetzt ein ganz beson­de­res Pro­jekt in Bear­bei­tung. Für die Ber­li­ner Stadt­rei­ni­gungs­be­trie­be BSR wird von Nord­horn aus eine umfas­sen­de Kanal­sa­nie­rung geplant, aus­ge­schrie­ben und bau­über­wacht (LPh 1–9 HOAI). Auf dem Gelän­de „Lie­gen­schaft Nord­ring“, einer der größ­ten Lie­gen­schaf­ten der BSR, soll­te im Inter­es­se des Auf­trag­ge­bers eine bei­spiel­haf­te Pro­jekt­be­ar­bei­tung durch­ge­führt wer­den, um den Dich­tungs­nach­weis für das Ent­wäs­se­rungs­sys­tem auf dem Betriebs­grund­stück zu erbringen.

§60 des aktu­el­len Was­ser­haus­halts­ge­set­zes (WHG) besagt, dass Abwas­ser­an­la­gen nur nach den all­ge­mein aner­kann­ten Regeln der Tech­nik errich­tet, betrie­ben und unter­hal­ten wer­den dür­fen. Das Land Nord­rhein-West­fa­len hat dies bei­spiels­wei­se zum Anlass genom­men, über den § 61a des Lan­des­was­ser­ge­set­zes eine Erst-Dicht­heits­prü­fung von bestehen­den Abwas­ser­lei­tun­gen bis spä­tes­tens zum 31.12.2015 zu fordern.

Da es bis­lang noch kei­ne ein­heit­li­chen Rege­lun­gen und Umset­zungs­vor­schrif­ten für sol­che Maß­nah­men gibt, haben die BSR jetzt pro-aktiv eine Kanal­sa­nie­rungs­maß­nah­me von LINDSCHULTE umfas­send bear­bei­ten und doku­men­tie­ren las­sen. Die Sanie­rungs­pla­nung ist inzwi­schen abge­schlos­sen, die Aus­füh­rung begann im IV. Quar­tal 2010 unter der Bau­über­wa­chung von LINDSCHULTE. Für den Auf­trag hat­te sich das Nord­hor­ner Stamm­haus in einem VOF-Ver­fah­ren gegen eine Viel­zahl ande­rer Bewer­ber durchgesetzt.

Der Bau­be­triebs­hof „Lie­gen­schaft Nord­ring“ umfasst etwa sie­ben Kilo­me­ter Kanal­netz (Hal­tun­gen und Lei­tun­gen) in den Grö­ßen­ord­nun­gen DN 100 bis DN 500, rund 225 Schacht­bau­wer­ke und elf Leicht­flüs­sig­keits­ab­schei­der bis Nenn­grö­ße NG 250.

Stich­punk­te zur Referenz:

  • Kanal­sa­nie­rung in offe­ner und geschlos­se­ner Bauweise
  • LPh 1–9 nach HOAI
  • 7 km Kanal­netz, 225 Schacht­bau­wer­ke, 11 Leichtflüssigkeitsabscheider

Umfang der Arbeiten

Zunächst wur­de eine Kanal­da­ten­bank als Grund­la­ge für die Scha­dens­be­ur­tei­lung auf­ge­baut. Auf Basis aktu­ell durch­ge­führ­ter TV-Inspek­tio­nen wur­den die Schä­den an den Kanal­roh­ren und den Schacht­bau­wer­ken aus­ge­wer­tet und klas­si­fi­ziert. „High­light“ am Ran­de: Bei der Aus­wer­tung der TV-Inspek­ti­on fiel in einem Teil des Lei­tungs­net­zes ein dort ver­leg­tes Stark­strom­ka­bel auf, des­sen Exis­tenz alle Betei­lig­ten sehr überraschte.

Eine wei­te­re Beson­der­heit des Pro­jekts stellt das aus­ge­schrie­be­ne CUS-Ver­fah­ren zur Inspek­ti­on der Schäch­te dar. CUS steht für “Com­pu­ter­un­ter­stütz­te Schacht­ver­mes­sung und ‑erfas­sung” und bedeu­tet eine kom­ple­xe rech­ner­ge­stütz­te Zustands­er­fas­sung und Ver­mes­sung von Schacht- und Son­der­bau­wer­ken. CUS erzeugt wäh­rend der 3D-Kanal­in­spek­ti­on auto­ma­tisch eine Schacht­skiz­ze und ermög­licht gleich­zei­tig die Erstel­lung eines digi­ta­len Kanalkatasters.

Erhöh­te Anforderungen

Das Was­ser­haus­halt­ge­setz schreibt eine Selbst­über­wa­chung von Abwas­ser­an­la­gen vor. Dar­über hin­aus wer­den nach dem Umwelt­straf­recht Gewäs­ser­ver­un­rei­ni­gun­gen geahn­det. Bei­spiels­wei­se in Nord­rhein-West­fa­len schreibt § 61a des Lan­des­was­ser­ge­set­zes für pri­va­te Grund­stücks­be­sit­zer bereits eine Dicht­heits­prü­fung vor. Um einen mög­lichst umfas­sen­den Qua­li­täts­nach­weis für die Ent­wäs­se­rungs­an­la­gen zu gewähr­leis­ten, wur­de bei dem Ber­li­ner Pro­jekt eine Dicht­heits­prü­fung der Sanie­rungs­pla­nung durch­ge­führt und für die Abnah­me der Sanie­rungs­ar­bei­ten ausgeschrieben.

Die Kanal­sa­nie­rung erfolgt auf dem BSR-Grund­stück unter Auf­recht­erhal­tung des lau­fen­den Betriebs, was eine zusätz­li­che Anfor­de­rung an die Pla­nung und Aus­füh­rung der Bau­maß­nah­me darstellt.

Ver­fah­ren

Die sowohl ganz­heit­lich hal­tungs­be­zo­ge­ne als auch punk­tu­el­le Kanal­sa­nie­rung erfolgt mit nahe­zu allen geschlos­se­nen Sanie­rungs­ver­fah­ren (Schlauch­li­ning, Kurz­li­ner und Man­schet­ten, Flu­tungs­ver­fah­ren, Robo­ter­ver­fah­ren, Schachts­anie­rung und Stra­ßen­ab­lauf­sa­nie­rung) sowie mit Kanal­neu­bau­ten in offe­ner Bau­wei­se. Dar­über hin­aus wer­den im glei­chen Zuge auch sanie­rungs­be­dürf­ti­ge Beto­n­au­ßen­flä­chen und Abfüll­flä­chen nach WHG/VAwS neu hergestellt.

Neben einer Viel­zahl von Rohr­ma­te­ria­li­en — diver­se Kunst­stof­fe, Faser­ze­ment, Grau­guss, Stein­zeug und Beton waren sei­ner­zeit ver­baut wor­den — muss­ten bei der Sanie­rungpla­nung auch die unter­schied­lichs­ten Scha­dens-Cha­rak­te­ris­ti­ka Berück­sich­ti­gung fin­den. Als Haupt-Scha­dens­bil­der kön­nen mine­ra­li­sche Abla­ge­run­gen, Riss­bil­dun­gen, Wur­zel­ein­wüch­se, Defor­ma­tio­nen, Undich­tig­kei­ten und Innen­kor­ro­si­on genannt wer­den. Ins­ge­samt hat die Kanal­sa­nie­rung „Lie­gen­schaft Nord­ring“ etwa 0,8

Mil­lio­nen Euro gekostet.