Hoch­was­ser­schutz­kon­zept in Spelle

Basis sind Berech­nun­gen von Überschwemmungsgebieten

Der Land­kreis Ems­land in Nie­der­sach­sen begann 2007 mit den Arbei­ten zur neu­en Fest­set­zung von Über­schwem­mungs­ge­bie­ten, u.a. für die Gewäs­ser Hops­te­ner Aa, Flöt­te, Drei­er­wal­der Aa und Alten­rhei­ner Bruch­gra­ben. Alle die­se Gewäs­ser flie­ßen durch die Samt­ge­mein­de (SG) Spel­le und ver­ei­nen sich dort zur Spel­ler Aa. Die neue Berech­nung der Über­schwem­mungs­ge­bie­te hat erge­ben, dass sich das Gewer­be­ge­biet Spel­le-Ost mit­ten im Über­schwem­mungs­ge­biet befin­det und vor Über­flu­tun­gen geschützt wer­den muss. Aus die­sem Grund hat die SG Spel­le die LINDSCHULTE Inge­nieur­ge­sell­schaft beauf­tragt, ein Hoch­was­ser­schutz­kon­zept (HWK) für das Gewer­be­ge­biet zu erstel­len. Ein im August 2010 auf­ge­tre­te­nes schwe­res Hoch­was­ser hat die Not­wen­dig­keit der Erar­bei­tung des HWK her­vor­ge­ho­ben. Das HWK wur­de im Sep­tem­ber 2011 durch LINDSCHULTE fertiggestellt.

Dar­stel­lung der Ist-Situation

Das Gewer­be­ge­biet Spel­le-Ost befin­det sich im Süd­os­ten Spel­les und grenzt mit sei­nen Aus­läu­fern an die Lan­des­gren­ze NRW. Im Rah­men des HWK soll­te die Abfluss­si­tua­ti­on der betrof­fe­nen Gewäs­ser mög­lichst genau in ihren räum­li­chen Zusam­men­hän­gen abge­bil­det wer­den. Des­we­gen wur­den die Gewäs­ser­pro­fi­le mit allen Ein­bau­ten ver­mes­sungs­tech­nisch aufgenommen.

Die Gelän­de­to­po­gra­fie wur­de in Nie­der­sach­sen auf der Grund­la­ge von Ras­ter­da­ten im Abstand von 12 m und in NRW auf der Grund­la­ge von Laser­scans im Abstand von 5 m abge­bil­det. Unser Pla­nungs­team hat die gesam­ten Grund­la­gen­da­ten in ein Berech­nungs­mo­dell ein­ge­ar­bei­tet. Dafür wur­den z.B. Gewäs­ser­pro­fi­le ver­ein­facht, Abfluss­bei­wer­te für Pro­fil­ty­pen fest­ge­legt und abge­stimmt, alle Ein­bau­ten und Bau­wer­ke mit ihren Abmes­sun­gen auf­be­rei­tet und abge­bil­det. Par­al­lel dazu wur­den in Abstim­mung mit den Geneh­mi­gungs­be­hör­den die zu ver­wen­den­den Was­ser­spie­gel an neur­al­gi­schen Punk­ten sowie die Berech­nungs­pa­ra­me­ter festgelegt.

Nach­dem der Ist-Zustand voll­stän­dig ins Berech­nungs­mo­dell ein­ge­ar­bei­tet war, konn­te die Hoch­was­ser­aus­gangs­si­tua­ti­on für ein 100-jäh­ri­ges Ereig­nis ermit­telt werden.

Stich­punk­te zur Referenz:

  • Berech­nun­gen von Überschwemmungsgebieten
  • Hoch­was­ser­schutz­kon­zept für Gewerbegebiet
  • Fer­tig­ge­stellt im Sep­tem­ber 2011

Kom­ple­xe Gewässer-Simulation

Die simu­la­ti­ons­tech­ni­sche Berech­nung des sehr kom­ple­xen Gewäs­ser­sys­tems erfolg­te mit dem Berech­nungs­pro­gramm FLUSS, über­wie­gend als 2‑D-Simu­la­ti­on. Um die Leis­tungs­ka­pa­zi­tät des Gesamt­sys­tems nicht zu über­schrei­ten, ist in Teil­be­rei­chen eine 1‑D-Simu­la­ti­on mit dem Berech­nungs­pro­gramm REHM aus­ge­führt wor­den. 

Vari­an­ten­un­ter­su­chung

Basie­rend auf den Ergeb­nis­sen des Ist-Zustan­des wur­den anschlie­ßend durch unser Büro drei Vari­an­ten ent­wi­ckelt und simu­la­ti­ons­tech­nisch berech­net. Ein Berech­nungs­lauf die­ses kom­ple­xen Gesamt­sys­tems dau­ert übri­gens 3 Wochen.

Für die Vari­an­ten sind unter­schied­li­che Hoch­was­ser­schutz­maß­nah­men geplant wor­den, z.B. ein Hoch­was­ser­schutz­deich und ein Schöpf­werk zur Bin­nen­ent­wäs­se­rung des ein­ge­deich­ten Gebie­tes. Mit­tels der anschlie­ßen­den Berech­nung wur­den die Fol­gen der geplan­ten Hoch­was­ser­schutz­maß­nah­men über­prüft und in der nächs­ten Vari­an­te veri­fi­ziert und opti­miert. Für alle 3 Vari­an­ten führ­te unser Büro eine Kos­ten­be­trach­tung durch. Abschlie­ßend wur­de nach Abwä­gung der Vor- und Nach­tei­le sowie des wirt­schaft­li­chen Auf­wands die Vari­an­te 3 als Vor­zugs­va­ri­an­te festgelegt.

Maß­nah­men der Vorzugsvariante

In der Vari­an­te 3 sind die fol­gen­den Hoch­was­ser­schutz­maß­nah­men vorgesehen:

  • rund 1.900 m Hochwasserschutzdeich
  • rund 620 m Hochwassermauer
  • rund 3.400 m Bypas­stras­se zur Schaf­fung einer zusätz­li­chen Umflut
  • Gewäs­ser­auf­wei­tung zur Ver­bes­se­rung des Abflusses
  • 1 Pump­werk zur Ent­wäs­se­rung des ein­ge­deich­ten Gewerbegebietes
  • Ein­bau diver­ser Schie­ber und Absperr­mög­lich­kei­ten zum Schutz des Gewerbegebietes
  • Ver­grö­ße­rung vie­ler vor­han­de­ner Durch­läs­se für aus­rei­chen­de Vor­flut des Bypasses

 Wei­te­res Vorgehen

Als nächs­tes ist die Wei­ter­ent­wick­lung der Pla­nun­gen des Hoch­was­ser­schutz­kon­zep­tes zum Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren vor­ge­se­hen. Dabei über­nimmt die LINDSCHULTE Inge­nieur­ge­sell­schaft Müns­ter die Ver­mes­sungs­ar­bei­ten zur Detail­lie­rung ein­zel­ner Stand­or­te, die Objekt­pla­nun­gen der Hoch­was­ser­schutz­maß­nah­men sowie die wei­te­ren hydrau­li­schen Berech­nun­gen. Neben den tech­ni­schen Aspek­ten sind beson­ders die Umwelt­aus­wir­kun­gen auf Flo­ra und Fau­na zu unter­su­chen und zu bewer­ten. Die hier­für erfor­der­li­chen Arten­er­fas­sun­gen und Kar­tie­run­gen sowie die Aus­ar­bei­tung der Umwelt­ver­träg­lich­keits­stu­die und des Land­schafts­pfle­ge­ri­schen Begleit­pla­nes erfolgt eben­falls durch LINDSCHULTE.