Fremd­was­ser­sa­nie­rungs­kon­zept für Kleinstadt

Fremd­was­ser im Entwässerungssystem

Im Rah­men des durch die LINDSCHULTE Inge­nieur­ge­sell­schaft mbH Nord­horn auf­ge­stell­ten Gene­ral­entwäs­se­rungs­pla­nes für die Stadt Keve­la­er wur­den erhöh­te Fremd­was­ser­ab­flüs­se im Schmutz­was­ser­sys­tem fest­ge­stellt. Eine für die Kali­brie­rung des Kanal­netz­mo­dells durch­ge­führ­te Mess­kam­pa­gne ergab in zwei Ein­zugs­ge­bie­ten deut­lich erhöh­te Fremd­was­ser­ab­flüs­se. Die Mess­kam­pa­gne wur­de über einen Zeit­raum von etwa vier­ein­halb Mona­ten durch­ge­führt. Wäh­rend die­ser Zeit wur­den an den Mess­stel­len die Abflüs­se im Kanal­sys­tem kon­ti­nu­ier­lich gemes­sen und auf­ge­zeich­net. Die Aus­wer­tung erfolg­te nach der Nacht­mi­ni­mum-Metho­de – dabei wird ange­nom­men, dass das Mini­mum des nächt­li­chen Tro­cken­wet­ter­ab­flus­ses im Wesent­li­chen den Fremd­was­ser­ab­fluss dar­stellt. Des Wei­te­ren wie­sen die Abfluss­gangli­ni­en im Schmutz­was­ser­netz nach Rege­n­er­eig­nis­sen ein deut­lich erhöh­tes Abfluss­ge­sche­hen auf. Dies ist mit uner­wünsch­ten Zuflüs­sen von Nie­der­schlags­was­ser über Fehl­an­schlüs­se oder über tief­lie­gen­de Schacht­ab­de­ckun­gen zu erklären.

Sanie­rung in 2 Phasen

Auf­bau­end auf den Erkennt­nis­sen des Gene­ral­entwäs­se­rungs­pla­nes wur­de von LINDSCHULTE für die zwei Schmutz­was­ser­net­ze, die ein erhöh­tes Fremd­was­ser­auf­kom­men auf­wei­sen, ein zwei­stu­fi­ges Sanie­rungs­kon­zept vor­ge­schla­gen, das von den Stadt­wer­ken Keve­la­er nach Abstim­mung mit der Bezirks­re­gie­rung Düs­sel­dorf beauf­tragt wur­de. Im Fokus der ers­ten Pro­jekt­pha­se stand die Loka­li­sie­rung der Fremd­was­ser­zu­flüs­se, die zwei­te Pro­jekt­pha­se beinhal­tet das Sanie­rungs­kon­zept der zuvor iden­ti­fi­zier­ten Fremdwasserzuflüsse.

Stich­punk­te zur Referenz:

  • Fremd­was­ser­sa­nie­rungs­kon­zept
  • Gene­ral­entwäs­se­rungs­pla­nung
  • Mess­kam­pa­gne zur Kali­brie­rung eines Kanalnetzmodells

Nebu­lö­se Suche

Die Loka­li­sie­rung von nie­der­schlags­be­ding­ten Fremd­was­ser­zu­flüs­sen erfolg­te mit­tels Kanal­ne­be­lung. Dabei wird hal­tungs­wei­se der Schmutz­was­ser­ka­nal mit einem geruchs­neu­tra­len Signal­ne­bel befüllt. Der ein­ge­bla­se­ne Nebel ver­sucht aus dem Sys­tem zu ent­wei­chen, wodurch Fehl­an­schlüs­se wie Ein­läu­fe oder Regen­fall­roh­re durch den Aus­tritt von Nebel iden­ti­fi­ziert und aus­ge­wer­tet wer­den kön­nen. Ein gro­ßer Vor­teil des ange­wand­ten Ver­fah­rens ist, dass kei­ne Grund­stü­cke betre­ten wer­den müs­sen und die Anwoh­ner nicht anwe­send sein müs­sen. Das Ord­nungs­amt und die Feu­er­wehr soll­ten über die Durch­füh­rung von Kanal­ne­be­lun­gen infor­miert sein, da der auf­stei­gen­de Nebel einer Rauch­ent­wick­lung im Brand­fall täu­schend ähn­lich sieht. In Toi­let­ten, Duschen, Wasch­be­cken ver­hin­dert der Geruchs­ver­schluss den Aus­tritt von Nebel.

Des Wei­te­ren wur­den sämt­li­che Deckel des Schmutz­was­ser­ka­nals hin­sicht­lich Ihrer Lage im Stra­ßen­quer­schnitt bewer­tet. Ziel die­ser Betrach­tung war die Iden­ti­fi­ka­ti­on von poten­zi­el­len Fremd­was­ser­zu­flüs­sen bei Nie­der­schlä­gen auf­grund tief­lie­gen­der Schachtdeckel.

Abschlie­ßend wur­den die Doku­men­ta­tio­nen und Erkennt­nis­se der Schacht­pro­to­kol­le in einem The­men­plan „nie­der­schlags­be­ding­te Fremd­was­ser­zu­flüs­se“ zusam­men­ge­fasst. Die­ser The­men­plan ent­hält sämt­li­che Fehl­an­schlüs­se sowie ungüns­tig lie­gen­de Schachtdeckel.

Nacht­schicht im Schacht

Zur Loka­li­sie­rung der grund­was­ser­be­ding­ten Fremd­was­ser­zu­flüs­se wur­de das vom erhöh­ten Fremd­was­ser­auf­kom­men betrof­fe­ne Schmutz­was­ser­netz in 16 rela­tiv klei­ne Mess­stel­len-Ein­zugs­ge­bie­te unter­teilt, um eine Ein­gren­zung der grund­was­ser­be­ding­ten Fremd­was­ser­zu­flüs­se zu ermög­li­chen. Mit Hil­fe eines Kabel­licht­lo­tes wur­den die nächt­li­chen Fließ­tie­fen im Schacht gemes­sen. Die Aus­wer­tung erfolg­te nach der beschrie­be­nen Nacht­mi­ni­mum-Metho­de. Zwar haben die mit­tels Kabel­licht­lot durch­ge­führ­ten Mes­sun­gen nicht die Genau­ig­keit einer fest instal­lier­ten Abfluss­mes­sung, die Kos­ten sind aber um ein Viel­fa­ches geringer.

Zum Beginn der Mess­kam­pa­gne wur­den wäh­rend einer Tag­mes­sung die exak­ten Schacht­tie­fen erfasst, so dass bei den anschlie­ßen­den Nacht­mes­sun­gen ledig­lich der Was­ser­stand zu mes­sen war. Ins­ge­samt führ­ten wir im Zeit­raum von Janu­ar bis August 2015 acht Nacht­mes­sun­gen zwi­schen 1 und 4 Uhr aus­schließ­lich an nie­der­schlags­frei­en Tagen durch. Zeit­gleich wur­den an 15 Mess­stel­len die Grund­was­ser­stän­de abge­le­sen, um eine Aus­sa­ge dar­über machen zu kön­nen, wel­che Kanä­le sich zum Zeit­punkt der Nacht­mes­sung unter­halb bzw. ober­halb des Grund­was­ser­spie­gels befan­den. Zudem wur­den die Ver­bräu­che der nächt­lich pro­du­zie­ren­den Ein­zel­ein­lei­ter recher­chiert und in der anschlie­ßen­den Aus­wer­tung berücksichtigt.

Die Aus­wer­tung der Mess­kam­pa­gne sah je Nacht­mes­sung den Ver­gleich der aus den gemes­se­nen Fließ­tie­fen ermit­tel­ten Abflüs­se mit den Grund­was­ser­stän­den vor. Die­se Ergeb­nis­se wur­den anschlie­ßend mit der vor­lie­gen­den TV-Inspek­ti­on der ein­zel­nen Schmutz­was­ser­ka­nä­le abge­gli­chen. Die Bewer­tung der TV-Inspek­ti­on erfolg­te aus­schließ­lich in Hin­blick auf die Dicht­heit der jewei­li­gen Hal­tun­gen. Sowohl die Betriebs­si­cher­heit als auch die Stand­si­cher­heit blie­ben bei die­ser Zustands­be­wer­tung unbe­rück­sich­tigt. Aus Erman­ge­lung an Unter­la­gen fan­den Anschluss­lei­tun­gen kei­ne Berück­sich­ti­gung in den hier vor­ge­leg­ten Unter­su­chun­gen. Anhand der dar­aus erstell­ten The­men­plä­ne „grund­was­ser­be­ding­te Fremd­was­ser­zu­flüs­se“ und der Aus­wer­tun­gen der Nacht­mes­sun­gen konn­ten die grund­was­ser­be­ding­ten Fremd­was­ser­zu­flüs­se ein­deu­tig loka­li­siert werden.

In der zwei­ten Pro­jekt­pha­se wird aktu­ell ein Sanie­rungs­kon­zept für die fest­ge­stell­ten Fremd­was­ser­zu­flüs­se erar­bei­tet. In ers­ter Linie sind dabei die Fehl­an­schlüs­se an den Schmutz­was­ser­ka­nal zu besei­ti­gen und die undich­ten Kanal­ab­schnit­te zu sanie­ren, um sowohl eine Infil­tra­ti­on als auch eine Exfil­tra­ti­on zu verhindern.